Ein Gastbeitrag von Holger Gräf
Mit Beginn des Jahres 2026 scheint die Welt noch näher an einen weiteren großen Krieg heranzurücken. Hauptgrund für diese Annahme ist der Eroberungsfeldzug des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Der einst von seinen Befürwortern – auch in Deutschland – als „Friedenspräsident“ gehandelte Trump, der sein Mandat maßgeblich auch deshalb erhielt, weil er während seiner ersten Amtszeit keinen internationalen Krieg begann, scheint bereits im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit entschlossen, diesen Kurs grundlegend zu ändern. Bereits sieben Länder wurden in dieser Amtszeit vom US-Militär angegriffen:
- Somalia am 01. Februar 2025
- Irak am 13. März 2025
- Jemen am 15. März 2025
- Iran am 22. Juni 2025
- Syrien am 19. Dezember 2025
- Nigeria am 25. Dezember 2025
- Venezuela am 03. Januar 2026
Zudem verdichten sich die Hinweise, dass dies noch lange nicht das Ende sein könnte. Offen droht Trump derzeit mit militärischen Aktionen gegen:
- Kolumbien
- Kuba
- Mexiko
- Grönland
- sowie immer wieder Kanada
Bei den letzten beiden Staaten gibt es jedoch einige Unterschiede: Beide sind NATO-Mitglieder, Kanada sogar Gründungsmitglied; Grönland ist zwar selbst kein direktes Mitglied, aber indirekt über Dänemark verbunden.
Trump fällt damit nicht einfach nur in alte US-imperialistische Verhaltensweisen zurück, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg üblich waren – er wendet sich gegen enge Verbündete.

Erneuter Ost-West-Konflikt?
Gleichzeitig steuert er auf einen erneuten Ost-West-Konflikt zu, der den Kalten Krieg möglicherweise in den Schatten stellt. Hauptgrund dafür ist China, das während des Kalten Kriegs noch kaum eine Rolle spielte, heute aber zur Supermacht mutiert ist – sowohl wirtschaftlich als auch militärisch.
Mit praktisch jedem Militäreinsatz provoziert der US-Präsident das Riesenreich Asiens und scheint auf einen offenen Konflikt abzuzielen.
So ist wahrscheinlich jedem klar, dass Nicolás Maduro keineswegs wegen seiner Drogenverbrechen entführt und inhaftiert wurde. Ebenso sollte klar sein, dass das Ziel nicht war, Venezuela die Demokratie zu bringen. Es geht Trump vor allem um die reichen Ölvorkommen des Landes. Bisher profitierte davon vor allem China.
Auch in Grönland geht es nicht in erster Linie um die Grönländer selbst. Trump hat es vor allem auf die seltenen Erden abgesehen, von denen bislang China am meisten profitiert.
Trumps Vorgehen zielt also primär darauf ab, Chinas Wirtschaft von wichtigen Rohstoffen abzuschneiden. Dies könnte sich letztlich zu einem Weltkrieg ausweiten, wie ihn die Welt bisher noch nie gesehen hat. China ist Teil der 2006 gegründeten BRICS-Staaten, zu denen auch Russland, Brasilien, Indien und weitere gehören. Wer China auf die Zehen tritt, riskiert, auch die anderen gegen sich aufzubringen.
Das ist die eine Seite. Die andere beleuchtet eine besondere Situation rund um Grönland. Hier schließen sich bereits einige EU-Staaten, darunter Deutschland, zu einer (rein verbalen) Abwehrhandlung zusammen: „Das kann er doch nicht machen“, heißt es. Es sei ein Affront gegen die NATO.
Doch man vergisst dabei leicht, dass Grönland eine unrühmliche Vergangenheit hat – nicht in Bezug auf die Grönländer selbst, sondern auf die Kolonialmacht Dänemark.
Ein Kurzabriss zur Geschichte Grönlands
Nachdem Grönland vom Wikinger Eirik Raude (Erik dem Roten) und seinem Sohn Leif Eriksson entdeckt, kolonisiert und christianisiert worden war, verloren die Wikinger später wieder das Interesse an der kalten, schneebedeckten Region. Die Inuit übernahmen die Verwaltung, und bis weit ins 18. Jahrhundert blieb Grönland weitgehend isoliert.
1721 wurde die Insel vom christlichen Missionar Hans Egede quasi „wiederentdeckt“. Er stufte die lokale Bevölkerung als Heiden ein. Ab 1911 wurde Grönland offiziell dänische Kolonie, und für die Inuit begann eine schwere Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb das dänische Militär in der Region, und eine Schreckensherrschaft entstand, die offiziell erst in den 1970er Jahren endete. Die Inuit wurden weitgehend entrechtet, ihre Kinder verschleppt und zwangssterilisiert. In mehreren Menschenrechtsprozessen wurde von gezieltem Genozid gesprochen.
Fazit
Die Grönländer sind also (zurecht) nicht gut auf Dänemark zu sprechen – und genau das könnte Trump zugutekommen. Grönland zu erwerben, könnte möglicherweise einfacher sein, als es zunächst erscheint. Die Insel zählt nur etwa 57.000 Einwohner, davon leben rund 20 % unterhalb der Armutsgrenze. Trump könnte versuchen, die Bevölkerung zu bestechen, statt das Land militärisch einzunehmen. Eine solche Strategie würde vermutlich zu einer Mehrheit für eine Angliederung an die USA und zur Loslösung von Dänemark führen – was für China oder Russland kaum einen Unterschied machen würde.
Die westlichen Politiker, die glauben werden, Trump hätte sich wieder eingekriegt, liegen dabei vermutlich falsch.
