Der Skandal hinter dem Sechsfachmord von Stade: Wenn der Staat zum Clan wird

von Holger Gräf

Am 29.06.2026 gegen 12:00 Uhr wurden sechs Mitarbeiter des Jugendamtes und der Jugendhilfe in Stade aus dem Leben gerissen. Im Rahmen eines sogenannten Jugendhilfe-Gesprächs wurden sie vom Vater eines in Obhut genommenen Kleinkindes erschossen. Der Täter flüchtete anschließend in einem bereitstehenden, 400 PS starken Mercedes-Benz GLE Coupé. Am Steuer: eine 65-jährige Fahrerin.

Die Flucht endete nach wenigen Minuten. Täter und Fahrerin wurden von der Polizei festgenommen. Gegen den Mann wurde inzwischen Mordanklage erhoben; die Fahrerin jedoch wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Als erste Reaktion auf die unfassbaren Ereignisse vermuteten viele zunächst einen Zusammenhang im Clanmilieu. Hauptgründe dafür waren die türkische Herkunft des Täters sowie der Fluchtwagen, den man als „typisch für Clanmitglieder“ einstufte.

Inzwischen wissen wir jedoch, dass diese Annahme nicht nur falsch war, sondern dass die tatsächlichen Zusammenhänge noch weitaus skandalöser sind. Denn bei der 65-jährigen Fahrerin handelt es sich keineswegs um eine Angehörige eines kriminellen Clans, sondern um die Mitarbeiterin einer von der Bundesregierung unterstützten NGO.

Sylvia S., so ihr Name, arbeitet als Migrationshelferin für eine Organisation, die vom Bundesförderprogramm „Demokratie leben!“ finanziert wird. Dabei handelt es sich um ein Förderprogramm der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung – so die blumige Bezeichnung. Die Aufgabe von Sylvia S. bestand darin, Migranten hinsichtlich des Familiennachzugs und in anderen Fragen zu beraten.

Als solche sah sie ihre Aufgabe offensichtlich auch in der Verteidigung des späteren Täters. Dieser hatte das Sorgerecht verloren, nachdem seine Tochter mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Die Ärzte vermuteten eine Gewalttat und erstatteten Anzeige. „Das sei so aber nicht gewesen“, schrieb Sylvia S. daraufhin an die Hannoversche Allgemeine Zeitung, „es habe sich lediglich um einen Unfall gehandelt.“

Nun muss man jedoch wissen, dass der spätere Täter die Hirnblutung nicht nur durch Schütteln verursacht haben soll, sondern daraufhin auch jedwede medizinische Versorgung zu verhindern versuchte.

Wie also kam Sylvia S. zu dem Schluss, dass es sich lediglich um einen Unfall gehandelt habe und dem Mann das Sorgerecht somit völlig zu Unrecht entzogen worden war? Oder besser gefragt: War sie überhaupt qualifiziert für ihren Job und wie ist sie eigentlich an diesen gelangt?

Und hier wird es wirklich kurios. Denn Sylvia S. ist die Schwiegermutter eines gewissen Deniz Kurku. Dieser wiederum ist SPD-Landtagsabgeordneter im Niedersächsischen Landtag und ganz zufällig nebenbei auch noch Landesbeauftragter für Migration und Integration.

Fassen wir also zusammen:

Sylvia S. bekommt einen Job als Migrationshelferin bei einer Organisation, die von „Demokratie leben!“, einem Förderprogramm der Bundesregierung, finanziert wird – und das, obwohl sie für diesen Job offensichtlich nicht qualifiziert ist. Sie scheint dort aber so gut zu verdienen, dass sie sich fünf Wochen vor der Tat den späteren Fluchtwagen kauft und auf ihren Namen zulässt.

Rein zufällig ist sie die Schwiegermutter des SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku, der (ebenfalls rein zufällig) Landesbeauftragter für Migration und Integration ist.

In dieser Position setzt sich S. für den späteren Täter ein und fährt ihn zum Jugendhilfe-Gespräch, wo dieser sechs Menschen erschießt. Danach steigt er wieder in den Wagen von Sylvia S. und beide flüchten, bis sie von der Polizei gestellt werden.

Sylvia S. ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Ich korrigiere mich hinsichtlich meiner zuvor getätigten Aussage: Irgendwie hat das Ganze doch kriminellen Clan-Charakter. Allerdings heißt dieser Clan hier Bundesregierung.

Was über den Täter bekannt ist:

Nach BILD-Recherchen soll es sich bei dem Täter um den 45-jährigen Deutsch-Türken Fatih G. handeln. Als in Deutschland geborener Nachkomme türkischer Einwanderer hatte er vermutlich die doppelte Staatsbürgerschaft. Vor Jahren ist er dann in die Türkei gezogen, wo er mehrfach verheiratet war. Er befand sich wegen eines Sexualdeliktes an einer Tochter aus dem Jahr 2007 in Untersuchungshaft. 2021 gelang ihm offenbar die Flucht aus dem Gefängnis. Fatih G. kehrte nach Deutschland zurück und lebte hier – trotz mehrerer türkischer Haftbefehle, u.a. wegen des Delikts aus 2007, sowie wegen mindestens eines weiteren Sexualdelikts – bis heute unbehelligt. Er knüpfte sehr schnell enge Kontakte zur Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku, welche Patentante seiner Tochter wurde.

Welches Wissen sowohl Kurku, als auch die SPD um die kriminellen Hintergründe von G. hatten und ob man die türkischen Strafverfolgungsbehörden absichtlich nicht informierte, ist derzeit (noch) unklar. Klar ist: Bei Kenntnis hätte man sie sofort informieren und Fatih G. überstellen (oder wenigstens inhaftieren) müssen, was sechs Menschen das Leben gerettet hätte.

Fatih G. war aufgrund seines aggressiven Verhaltens auch bereits bei deutschen Behörden aktenkundig.